Erinnerung an einen fast Vergessenen – Artur Becker zum 70. Jahrestag der Ermordung

8. Mai 2018


Gedenkmeeting

16. Mai 2018 | 15:00 Uhr | Schlichtallee 1 | 10317 Berlin


 

Die wenigen Bilder, die es von ihm gibt, zeigen einen freundlichen und sanft wirkenden jungen Mann. Man möchte ihm ein gutes und langes Leben wünschen, doch das war ihm nicht vergönnt.

Der am 12. Mai 1905 in einer Remscheider Arbeiterfamilie Geborene wurde, beeinflusst durch die bewegte Zeit nach der Novemberrevolution 1918, früh politisiert. An den Kämpfen dieser Epoche schon mit 14 Jahren beteiligt, wurde er bald Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands (KJVD) und der KPD. In Jahren des Lernens und der Auseinandersetzung wuchs er zu einem beliebten und angesehenen Funktionär heran, der 1930 als jüngster Abgeordneter in den Reichstag einzog. Sein Einsatz für die Arbeit mit und unter der Jugend führte ihn 1931 an die Spitze des KJVD.

1933 zur Emigration gezwungen, engagierte er sich in Moskau im Exekutivkomitee der Kommunistischen Jugendinternationale. Hier setzte er sich mit großer Energie für den Kampf gegen die Hitlerdiktatur ein, u. a. für die Befreiung Ernst Thälmanns und der anderen politischen Gefangenen. 1937, inzwischen tobte der Bürgerkrieg in Spanien, sah er seinen Platz dort. Als Parteisekretär im Thälmann-Bataillon der XI. Internationalen Brigade fiel er am 30. April 1938, bei den Kämpfen am Ebro verwundet, in die Hände der Franco- Truppen, nachdem er den Rückzug seiner Kameraden mit dem MG gedeckt hatte. Nach wochenlangen Misshandlungen wurde er am 16. Mai 1938 in Burgos ermordet. Wer denkt dabei nicht an Ernest Hemingways berühmten Roman »Wem die Stunde schlägt«? Dessen Held opfert sich ebenfalls, um seine Mitkämpfer zu retten.

Für DDR-Bürger war Artur Becker ein bekannter Name. Stephan Hermlin hatte ihn in »Die erste Reihe« aufgenommen, es gab Gedenktafeln, Straßen und Schu- len, die nach ihm benannt wurden. Es gab auch die Artur-Becker-Medaille der FDJ als hohe Auszeichnung des Jugendverbandes. Das meiste davon ist heute Schall und Rauch. Für uns sollte es Verpflichtung sein, diesen wirklichen Helden der deutschen Linken nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Erika Rathmann
(aus Unser Blatt Ausgabe 68 – April 2018)